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Videoüberwachung modernisieren: Warum Kamerakompatibilität im VMS entscheidend ist
Stefan Hedwig
28. Januar 2026

Videoüberwachung modernisieren: Warum Kamerakompatibilität im VMS entscheidend ist

Wer ein neues VMS (Video-Management-System) für die Videoüberwachung evaluiert, startet selten auf der grünen Wiese. In den meisten Umgebungen trifft man auf eine historisch gewachsene Mischung aus IP-Kameras verschiedener Generationen, mehreren Herstellern und einzelnen Spezialkameras wie PTZ, Thermal oder Fisheye/360°. Spätestens bei Erweiterungen oder einer Migration wird deutlich: Der limitierende Faktor ist häufig nicht die Kamera – sondern die Frage, wie zuverlässig das VMS diese Vielfalt integriert.

Für IT-Admins lassen sich daraus zwei zentrale Prüfpunkte für ein VMS ableiten:

  1. Kamerakompatibilität: Sind Bestandskameras in der Kompatibilitätsliste abgedeckt – und lassen sich neue Modelle ohne Sonderkonfigurationen integrieren?
  2. Funktionstiefe: Übernimmt das VMS nur den Videostream – oder werden im Alltag auch Events, Alarme und Analytics-/KI-Funktionen der Kameras genutzt?

17.000+ unterstützte IP-Kameras: Warum das bei der VMS-Auswahl zählt

Mit dem Update Surveillance Station 9.2.5 erweitert Synology die Kamerakompatibilität deutlich: von 8.900 auf jetzt über 17.000 Kameramodelle. Diese Zahl umfasst:

  • nativ integrierte Drittanbieter-Kameras führender Hersteller wie AXIS, Bosch, Hanwha,
  • eine breite Unterstützung von ONVIF-konformen IP-Kameras,
  • zahlreiche Spezialmodelle, etwa für Industrie, Verkehr oder Stadien.

Und das macht bei Modernisierungsprojekten den Unterschied.

1. Kamerakompatibilität: Der größte Kostentreiber sitzt an Wand und Decke

Bei Modernisierungsprojekten sind die Lizenzkosten des VMS häufig planbar. Deutlich weniger planbar sind hingegen Aufwand und Kosten, wenn Kameras ersetzt werden müssen: Montage, Verkabelung, Hubsteiger-Einsätze, Abnahmen und Ausfallzeiten. Deshalb ist eine breite VMS-Kamerakompatibilität für viele Organisationen ein Hebel, um die Backend-Modernisierung durchzuführen, ohne die Infrastruktur im Feld anzufassen.

In der Porsche Arena in Stuttgart hat die Videoüberwachung funktioniert – bis das VMS an seine Grenzen stieß. Zentrale Verwaltung, zuverlässige Aufzeichnung und effizienteres Monitoring wurden nötig. Das Projektziel war dabei klar: VMS erneuern, AXIS-Kameras behalten – denn ein Umbauprojekt mit Leitern oder Hubsteigern für den Austausch von über hundert Kameras war definitiv nicht im Budget.

2. Funktionstiefe: Ein Videostream reicht nicht

Bei der VMS-Auswahl reicht es jedoch nicht, dass eine IP-Kamera grundsätzlich ein Bild liefert. In der Praxis entscheidet die Funktionstiefe darüber, ob das System im Betrieb wirklich effizient wird. Relevante Fragen sind zum Beispiel:

  • Übernimmt das VMS Events (z. B. Bewegung, Intrusion) und verarbeitet sie zentral?
  • Lässt sich eine saubere Alarmierung und Eskalation abbilden?
  • Funktionieren PTZ-Steuerung, digitale Ein-/Ausgänge und Kamera-spezifische Features?
  • Werden Analytics-/KI-Metadaten zuverlässig übernommen und für Regeln, Suche oder Reports nutzbar?

Gerade bei ONVIF-Anbindungen gilt: Oft funktioniert der Videostream schnell, aber erweiterte Funktionen hängen vom jeweiligen Modell und der konkreten Integration ab. Deshalb lohnt sich vor einem Rollout ein kurzer Praxistest mit den wichtigsten Kameratypen (Standard, Outdoor, Spezial) – inklusive der Events und Analytics, die später im Alltag tatsächlich genutzt werden.

In der JR Maihama Station („Disneyland Station“) in Tokyo waren Kameras bereits sinnvoll zur Überwachung von Passagierfluss und Sicherheit positioniert. Jedoch lieferte das veraltete VMS nicht die benötigten Analytics und Integrationen, um etwa Verkehrsströme besser auszuwerten oder Trespassing automatisiert zu erkennen. Also galt auch hier: Das VMS muss modernisiert werden, die Kameras aber müssen bleiben.

Fazit: Kamerakompatibilität zuerst prüfen – dann die VMS-Modernisierung planen

Ob Arena, Bahnhof oder Unternehmensstandort: Bei der Modernisierung der Videoüberwachung entscheidet nicht die Kamera, sondern das VMS. Wer ein neues System auswählt, sollte deshalb zwei Punkte früh prüfen: Kamerakompatibilität (Bestandskameras weiter nutzen) und Funktionstiefe (Events, Alarme und Analytics im Betrieb zuverlässig nutzen). Das zahlt sich konkret aus:

  • Geringeres Projektrisiko, weil mehr Bestandskameras weiter genutzt werden können
  • Geringere Kosten, da weniger Austausch- und Umbaumaßnahmen nötig sind
  • Kürzere Test- und Rollout-Zyklen bei neuen Kameraserien und zusätzlichen Standorten
  • Mehr Auswahl bei Spezialkameras (z. B. Multi-Lens, Thermal, Fisheye/360°), ohne das VMS-Backend je Use Case zu wechseln
  • Mehr nutzbare Events und Analytics, z. B. Personen-/Fahrzeugerkennung oder Intrusion-Events, sofern von Kamera und Integration unterstützt
  • Integrationen über APIs: zentrale Ereignisverarbeitung, einheitliche Aufzeichnung/Aufbewahrung und – je nach Architektur – Anbindung externer KI-Plattformen (z. B. PPE-Erkennung)
IT-Admin überwacht mehrere IP-Kamera-Streams im VMS-Dashboard zur zentralen Videoüberwachung

Zentrale Videoüberwachung im VMS von Synology: Live-Ansichten mehrerer IP-Kameras, Ereignisse und Standorte im Überblick.

Dank der Synology Lösung konnten wir unsere bestehende IP-Kamera-Infrastruktur nahtlos weiterverwenden und haben nun eine zuverlässige Videoüberwachung und DSGVO-konforme Aufzeichnung in unserem Hallenduo.“ Johannes Mey, Technischer Leiter, Porsche-Arena Stuttgart

Möchten Sie prüfen, ob Ihre vorhandenen Kameras (inkl. Firmwarestand) mit Synology Surveillance Station kompatibel sind und welche Analytics/Events in Ihrer Umgebung nutzbar sind? Dann lassen Sie sich beraten – wir unterstützen Sie gern bei der Planung der Migration oder eines Pilotprojekts.

FAQ: Kamerakompatibilität in Synology Surveillance Station

1. Wie prüfe ich, ob meine IP-Kameras kompatibel sind?

Über die öffentlich zugängliche Kompatibilitätsliste von Synology können Sie Hersteller, Modell und Firmware Ihrer IP-Kamera prüfen. Zusätzlich lassen sich viele ONVIF-konforme Drittanbieter-Kameras anbinden, auch wenn sie nicht explizit gelistet sind.

2. Können bestehende Drittanbieter-Kameras beim Umstieg auf Surveillance Station weiter genutzt werden?

In vielen Fällen ja. Dank der Unterstützung von über 17.000 Modellen und ONVIF ist eine VMS-Migration oft ohne großflächigen Kameraaustausch möglich. Eine genaue Bestandsaufnahme der Kameras ist dabei der erste Schritt.

3. Werden auch Spezialkameras (z. B. Thermal, Fisheye) unterstützt?

Surveillance Station unterstützt eine Vielzahl von Spezialkameras unterschiedlicher Hersteller. Ob ein konkretes Modell vollständig, inklusive Spezialfunktionen, integriert ist, lässt sich über die Kompatibilitätsliste und ggf. einen Praxistest klären.

4. Wie werden Kamera-Analytics im VMS genutzt?

Unterstützte Analyseereignisse der IP-Kameras (z. B. Einbruch, Linienübertritt, Personen- oder Fahrzeugerkennung) werden an Surveillance Station übergeben und können dort für Alarme, Aufzeichnungen oder Automatisierungen genutzt werden. Zusätzlich ist die Anbindung externer KI-Dienste möglich.

5. Welche Rolle spielt ONVIF bei der Kameraeinbindung?

ONVIF stellt standardisierte Schnittstellen für IP-Video zur Verfügung. Unterstützt eine Kamera ONVIF, kann sie in der Regel grundlegend (Videostream, Basissteuerung) in das VMS integriert werden. Das erleichtert die Einbindung von Drittanbieter-Kameras und erhöht die Zukunftssicherheit der Videoüberwachung.

 

Quellen
Mordor Intelligence, (2024) „Video Surveillance Market – Growth, Trends, and Forecasts (2024-2029)“ https://www.mordorintelligence.com

Synology, (2024) „A major leap in camera compatibility“https://blog.synology.com/a-major-leap-in-camera-compatibility

Synology, (2025), Kundenbericht in.Stuttgart, https://www.synology.com/de-de/company/case_study/inStuttgart_PorscheArena_DACH

Synology, (2025), Kundenbericht Chiba Taxi Association, https://www.synology.com/en-global/company/case_study/JP_ChibaTaxi