Es ist kurz nach Schichtbeginn, als mein Funkgerät knistert: „Beinahe‑Unfall an Linie 3″. Keine Verletzten, Glück gehabt. Trotzdem geht in meinem Kopf sofort die Checkliste an: Bereich sichern, Ursachen klären, Maßnahmen definieren, dokumentieren. Und dann die Frage, die sich in der EHS‑Praxis nie ganz abstellen lässt: War das heute Glück – oder hätten wir es früher sehen können?
Wer für die Sicherheit in Produktionsanlagen verantwortlich ist, kennt solche Situationen. Sie zeigen, warum Videoüberwachung hier mehr sein sollte als reine Aufzeichnung: In Umgebungen mit Staplerverkehr, wechselnden Teams, vielen Übergaben und hohem Takt ist Aufmerksamkeit knapp. KI‑gestützte Videoüberwachung erkennt kritische Situationen früh – nicht zur Kontrolle, sondern zum Schutz von Menschen und zur Stabilisierung von Prozessen.
Dieser Beitrag zeigt, wie KI‑Videoanalyse in der Produktion Gefahren in Echtzeit erkennt, Stillstände reduziert und Daten liefert, um Arbeitssicherheit und Effizienz nachhaltig zu verbessern.
Arbeitssicherheit als Effizienztreiber in der Fertigung
Viele Werke haben ihre Prozesse bereits stark automatisiert. Die nächsten Effizienzsprünge entstehen deshalb oft nicht mehr durch „noch eine Maschine“, sondern durch stabilere Abläufe: weniger Unterbrechungen, weniger Störungen, weniger Ausschuss.
Drei Entwicklungen verstärken diesen Effekt:
- Arbeitskräftemangel: Laut ManpowerGroup können weltweit rund drei Viertel der Unternehmen offene Stellen nicht besetzen. Ausfälle durch Unfälle lassen sich dadurch immer schwerer kompensieren. [1]
- Hoher Automatisierungsgrad: Viele klassische Effizienzprojekte sind ausgeschöpft. Zusätzliche Produktivitätsgewinne entstehen zunehmend durch weniger Stillstände und reibungslosere Übergaben.
- Steigende Sicherheitsanforderungen: Regulatorik, interne EHS‑Ziele und ESG‑Berichterstattung rücken Arbeitssicherheit stärker in den Mittelpunkt – auch als Reputationsfaktor.
Analysen des Weltwirtschaftsforums (2023) nennen bei Safety‑Tools in Industrieumgebungen u. a.: [2]
- bis zu 24 % weniger meldepflichtige Verletzungen
- in einzelnen Werken >80 % weniger Hochrisiko‑Vorfälle binnen weniger Monate
Arbeitssicherheit ist heute nicht mehr nur Compliance – sie ist ein direkter Hebel für Produktionseffizienz.
Wenn Sicherheit und Effizienz an denselben kritischen Momenten hängen, braucht es Systeme, die diese Momente zuverlässig erkennen – in Echtzeit. Genau hier setzt KI‑Videoüberwachung in der Fertigung an.
Was leistet KI-Videoüberwachung in der Fertigung?
Klassische CCTV‑Systeme zeichnen auf. In der Praxis heißt das oft: Man schaut erst dann genauer hin, wenn bereits etwas passiert ist – für Prävention ist das zu spät. In komplexen Umgebungen mit vielen Kameras stößt reine Beobachtung schnell an Grenzen.
KI‑Videoüberwachung ergänzt die Aufzeichnung um automatische Analyse, z. B.:
- Objekterkennung: Personen, Fahrzeuge, Paletten
- Zonen- und Ereignisüberwachung: Eintritt in gesperrte oder Gefahrenbereiche, Blockierung von Fluchtwegen
- Echtzeit‑Alarmierung: Benachrichtigung bei Regelverstößen oder kritischen Situationen
Moderne Industrie‑Sicherheitskameras mit Edge‑AI werten viele Ereignisse direkt auf der Kamera aus. Das reduziert Bandbreite, beschleunigt Reaktionen und erleichtert die Integration in vorhandene Netzwerke.
4 Praxisbeispiele: Wie KI‑Videoanalyse Produktion sicherer und effizienter macht
Aus EHS‑Sicht geht es nicht um „KI überall“, sondern um klar definierte Situationen: Trägt jemand PSA in der richtigen Zone? Entsteht Rauch, bevor Sensoren anschlagen? Staut sich der Verkehr an Toren? Lassen sich Qualitätsabweichungen sauber nachvollziehen? Vier typische Use Cases zeigen, wo Videoanalyse in der Produktion besonders schnell Nutzen stiftet.
1. PPE-/PSA-Überwachung: Tragen Mitarbeitende ihre Schutzausrüstung?

In Beinahe‑Unfall‑Berichten taucht oft derselbe Satz auf: „Es ging zu schnell.“ Helm nicht aufgesetzt, Schutzbrille kurz hochgeschoben, Warnweste vergessen. Das kleine Abweichungen, die in Hochrisikobereichen große Folgen haben können. KI kann Standards konsequent absichern, ohne dass Sicherheitsbeauftragte ständig vor Ort sein müssen.
Mögliche Funktionen
- PSA‑Elemente wie Helm oder Weste automatisch erkennen
- Zonenabhängige Regeln abbilden (z. B. Helmpflicht nur in bestimmten Bereichen)
- In Echtzeit warnen, wenn Personen ohne korrekte PSA einen Gefahrenbereich betreten
Nutzen für Arbeitssicherheit und Effizienz
- Weniger Unfälle durch konsequente PSA‑Nutzung
- Entlastung von EHS‑Teams und Führungskräften
- Objektive Datenbasis für Trainings, Unterweisungen und Layout‑Anpassungen
2. Stürze, Rauch und Feuer frühzeitig erkennen

Was Stürze und Brandereignisse so kritisch macht, sind oft die ersten Minuten: Hat es jemand gesehen? Ist Hilfe unterwegs? Muss die Linie gestoppt werden? KI‑gestützte Videoanalyse kann visuelle Signale früh erkennen – und die Alarmkette schneller starten.
Typische Ereignisse
- Sturzereignisse (Person stürzt und bleibt liegen)
- Ungewöhnliche Rauchentwicklung
- Flammenbildung in definierten Zonen (z. B. Verpackung, Logistik, Chemielager)
Ziel: Reaktionszeit verkürzen, Schäden begrenzen und Stillstände vermeiden (Alarm, Evakuierung, Notabschaltung, Löschmaßnahmen).
3. Verkehrs- und Personenfluss: Logistik und Schichtwechsel steuern
Viele Engpässe entstehen nicht an der Produktionslinie, sondern an Toren, Zufahrten, Rampen und Eingängen. Gleichzeitig passieren hier viele Beinahe‑Situationen: Stapler und Fußgänger, Kreuzungen, unübersichtliche Bereiche, Zeitdruck. KI‑Videoüberwachung hilft, diese „Nebenprozesse“ messbar zu machen und gezielt zu verbessern.
Kennzeichenerkennung (LPR)
- Automatisierte Zufahrtskontrolle für Lkw und Dienstleister
- Verknüpfung mit Slot‑ oder Yard‑Management
- Analyse von Staus und Wartezeiten
People Counting / Zonenmonitoring
- Auswertung von Personenströmen (z. B. Eingänge, Drehkreuze, Kantine)
- Unterstützung bei Evakuierungsplanung und Fluchtwegüberwachung
- Vermeidung von Überfüllung in sensiblen Bereichen
Prozessnutzen
- Optimierung von Schicht‑ und Pausenzeiten
- Planung von Werkszufahrten und Rangierflächen
- Reduzierung von Wartezeiten bei Lkw‑Abfertigung
Ein praktisches Beispiel: Das Stadium MK (30.000 Plätze) nutzt Synology Surveillance Station u. a. für automatische Personenzählung, Stau-Analysen und Personaloptimierung. Das sind alles Funktionen, die sich direkt auf Fabrik- und Logistikumgebungen übertragen lassen, etwa für Werkszufahrten, Besuchermanagement oder stark frequentierte Hallenbereiche. [4]
4. Rückverfolgbarkeit und Qualitätssicherung durch QR‑Code‑Tracking
Kameras mit entsprechendem Objektiv und Analysefähigkeit können QR‑Codes auf Kartons oder Paletten lesen und mit Videodaten verknüpfen. Videosequenzen können dann bestimmten Produktionslinien, Schichten oder Lots zugeordnet werden.
- Abläufen und Ursachen bei Reklamationen oder Qualitätsproblemen können schnell rekonstruiert werden
- Abweichungen im Prozess (z. B. falsche Etikettierung, Verpackungsfehler) lassen sich gezielt nachvollziehen, wodurch Ausschuss und Nacharbeit reduziert werden
- Audits können besser erfüllt werden (z. B. in Lebensmittel-, Getränke- oder Pharmaproduktion)
Vom Pilotprojekt zu echter Produktionseffizienz
Der Schritt von der ersten KI-Idee zur flächendeckenden Umsetzung in der Produktion ist anspruchsvoll – entscheidend ist, typische Hürden früh zu adressieren und die richtigen Erfolgsfaktoren von Beginn an mitzudenken.
Herausforderungen
Obwohl laut McKinsey viele Unternehmen KI nutzen, gelingt nur etwa einem Drittel die Skalierung über Pilotprojekte hinaus. [5] Typische Stolpersteine:
- Insellösungen je Standort/Kameratyp
- Fehlende Integration (MES/ERP/Zutritt/OT)
- Datenschutz & Governance ohne klare Verantwortlichkeiten
- Operative Komplexität (Wartung, Updates, Regelpflege)
Erfolgsfaktoren
Erfolgreiche Unternehmen setzen daher auf:
- Zentrale VMS-Plattform: Einheitliche Verwaltung von Kameras, Analysen, Alarmen und Aufbewahrung.
- Edge + Cloud sinnvoll kombinieren: Edge für geringe Latenz; Cloud/zentral für Muster und Reporting.
- Datenschutz & Compliance sauber aufsetzen: In Europa ist neben DSGVO auch der EU AI Act relevant. [6] [7] Wichtig sind u. a. Zweckbindung, Rollen/Rechte, Aufbewahrungsfristen, technische Schutzmaßnahmen (z. B. Maskierung) und frühzeitige Einbindung von Betriebsrat/DPO.
- Fokussierte Use Cases mit KPIs: Start in klar abgegrenzten Zonen und Messung von Effekten (z. B. TRIR, Stillstandszeiten, Abfertigungszeiten).
Wie Synology Fertigungsunternehmen bei Sicherheit und Effizienz unterstützt
Synology bietet mit Surveillance Station und eigenen KI-Kameras eine kombinierte Hard‑/Software‑Plattform, um KI-gestützte Videoanalyse praxisnah in der Produktion einzusetzen – on-premises, standortübergreifend und DSGVO-ready. [8] [9]
„Aufgrund der Synology-Lösung sind sowohl Zeit und damit einhergehende Kosten gesenkt worden. Durch die Überwachung konnten mehrere Zwischenfälle – wie ein geplanter Diebstahl, ein Einbruch und das Zerstören einer Tür – nachträglich aufgeklärt und intern gelöst werden.“ Leon Jödicke, Systemintegrator bei W+S Datentechnik [10]

- Synology Surveillance Station
- Verwaltung von vielen Kameras unterschiedlicher Hersteller
- Ereignisbasierte Aufzeichnung, intelligente Suche, rollenbasierte Rechte
- Offene APIs zur Integration in MES, SCADA, Zutrittskontrolle oder Logistiklösungen
- Synology Kameras mit Edge‑AI (z. B. BC800Z)
- KI-basierte Erkennung für Rauch, Personen und Fahrzeugen, Zonenüberwachung, Belegungs‑Monitoring
- Technische Grundlage für Anwendungen wie PPE‑Überwachung, Perimeter‑Sicherheit oder Kennzeichenerkennung (modell- und länderspezifisch)
- Speicherlösungen
- NAS- und SAN‑Systeme zur zuverlässigen Aufzeichnung, skalierbar bei wachsenden Anforderungen
Prüfen Sie, welche KI-Videoanalyse-Use-Cases in Ihrer Produktion Arbeitssicherheit und Produktionseffizienz erhöhen.
FAQ: KI-gestützte Videoanalyse und Arbeitssicherheit in der Produktion
1. Was ist der Unterschied zwischen klassischer und KI-gestützter Videoüberwachung?
Klassische Systeme zeichnen Bildmaterial auf und erlauben manuelle Sichtung. KI-gestützte Videoüberwachung analysiert Live-Bilder automatisch, erkennt Muster (z. B. Personen ohne PSA, Eindringlinge, Rauch) und generiert in Echtzeit Alarme oder Ereignisse. So werden Vorfälle nicht erst im Nachhinein sichtbar, sondern unmittelbar erkannt.
2. Wie trägt KI-gestützte Videoüberwachung konkret zur Produktionseffizienz bei?
Durch frühzeitige Erkennung von Gefahren und Abweichungen reduziert sie Unfälle, Stillstände und Sachschäden. Gleichzeitig entstehen Daten, mit denen Unternehmen Engpässe, gefährliche Abläufe und ineffiziente Prozesse identifizieren und verbessern können – etwa bei Werkszufahrten, Schichtwechseln oder Materialflüssen.
3. Ist der Einsatz von KI-Videoanalyse in Europa DSGVO- und EU-AI-Act-konform möglich?
Ja, wenn geeignete technische und organisatorische Maßnahmen umgesetzt werden: klare Zwecke (z. B. Arbeitssicherheit), begrenzte Aufbewahrungsfristen, Rollen- und Rechtemanagement, Pseudonymisierung/Maskierung, Einbindung von Betriebsrat und Datenschutzbeauftragten sowie Dokumentation im Sinne des EU AI Act. Synology-Lösungen unterstützen diese Anforderungen mit fein granularen Berechtigungen und flexiblen Speicher-Policies.
4. Benötige ich spezielle Kameras für KI-gestützte Videoanalyse?
Für Edge-KI-Funktionen (Analyse direkt in der Kamera) sind KI-fähige Modelle nötig, wie die Synology Kamera BC800Z. Viele Analysefunktionen lassen sich zudem serverseitig über die Surveillance Station realisieren. Hier können auch bereits vorhandene, kompatible IP-Kameras eingebunden werden.
5. Wie starte ich ein KI-Safety-Projekt in meinem Werk am besten?
Empfehlenswert ist ein fokussierter Einstieg mit klar messbarem Nutzen, z. B.:
- PSA-Überwachung in einer kritischen Zone,
- Sturzerkennung in einem Hochrisikobereich,
- Optimierung einer überlasteten Werkszufahrt.
Auf Basis der Ergebnisse (z. B. weniger Vorfälle, reduzierte Ausfallzeiten) kann das System schrittweise auf weitere Bereiche und Standorte ausgedehnt werden. Systemintegratoren und Synology-Partner unterstützen bei Planung, Roll-out und Integration in bestehende IT-/OT-Landschaften.
Quellen
(1) ManpowerGroup, Talent Shortage, (2024) https://www.manpowergroup.com/workforce-insights
(2) World Economic Forum, The Future of Jobs Report 2023, (2023) https://www.weforum.org/reports/the-future-of-jobs-report-2023/
(3) Verdantix, EHS Software Benchmark (bzw. einschlägige EHS-/Safety-Reports), (2023/2024) https://www.verdantix.com/report-type/ehs
(4) Synology, Surveillance Station – Kundenreferenz (2025) https://www.synology.com/en-global/company/case_study/Stadium_MK
(5) McKinsey & Company, The State of AI in 2023: Generative AI’s Breakout Year, (2023) https://www.mckinsey.com/capabilities/quantumblack/our-insights/the-state-of-ai-in-2023
(6) Council of the European Union, AI Act: Council gives final green light to the first worldwide rules on AI, (2024) https://www.consilium.europa.eu/en/press/press-releases/2024/05/21/
(7) European Parliament, Artificial intelligence act (Legislative dossier), (2024) https://www.europarl.europa.eu
(8) Synology, Surveillance Station – Produktseite, (laufend aktualisiert, Stand 2025) https://www.synology.com/de-de/surveillance
(9) Synology, BC800Z – KI-Überwachungskamera, (laufend aktualisiert, Stand 2025) https://www.synology.com/de-de/products/camera_bc800z
(10) Synology, Surveillance Station – Kundenreferenz (2025) https://www.synology.com/de-de/company/case_study/W_S_Datentechnik
